08 Februar 2009

Auf Wiedersehen und gute Nacht!

All things must come to an end.

Und so wird dieses Blog heute zur Ruhe gelegt. Irgendwie habe ich die Inspiration dafür verloren.

Auf Wiedersehen und gute Nacht!

--- Elvis has left the building ---


10 November 2008

Bedürfen Marken der Pflege?

Als mein Vater mich vor einigen Jahren (ca. 30) fragte, warum ich meinen kleinen Bruder immer ärgern würde, da erklärte ich ihm, dass das ein Zeichen von Geschwisterliebe sei - schliesslich würde ich Menschen, die mir egal seien, ignorieren (naja - bis auf den Schläger am Ort, dessen Aufenthaltsort wir immer alle kannten, da geschicktes Ausweichen einem so manche blutige Nase ersparte). Ob er mir diese fadenscheinige Ausrede glaubte, weiss ich bis heute nicht - aber irgendetwas muss dran sein, sonst würden wir Dinge, die uns nahstehen, wie zB. Marken, mit mehr Respekt, Sorgfalt und Zuneigung behandeln.

Die Tatsache, dass wir dies nicht tun, kann nur darauf zurückzuführen sein, dass Missachtung, mangelnde Fürsorge und totales Ignorieren jeglicher Pflegevorschriften in unseren Augen ein Zeichen geäusserter Zuneigung darstellen. So etwa, wie alte Lederjacken erst durch jahrelange Misshandlung richtg gut aussehen - also erst wenn sie die richtige Patina aufweisen ... oder wenn Cowboy-Boots erst den richtigen Look haben, wenn der erste Absatz komplett abgelaufen ist.

Aber wie ist das mit Brands? Sind die nicht durch Styleguides definiert und von adleräugigen Brandmanagern bewacht? Sind sie nicht das bestgehütete und am strengsten bewachte Asset eines Unternehmens? Das Gut, dass vor jedem Missbrauch und jeder Beschmutzung zu schützen ist - um jeden Preis? In unseren Träumen - vielleicht!

Wie sonst lässt sich erklären, das sog. Marketingleitungen (oder heisst das 'Leitern'?) die grundlegendsten Regeln vergessen oder missachten, sobald sie meinen dass entweder

a) gerade keiner hinsieht. Oder
b) es "doch eigentlich egal ist". Oder
c) eine Marken-konforme Vorgehensweise grundlegende Denkprozesse voraussetzen würde bzw. mit Arbeit verbunden wäre ...


Ähnlich schlimm ist es, wenn Marken kleiner Unternehmen, die dafür einfach noch nicht reif genug sind (die Unternehmen, nicht die Marken) auf einmal ins Ausland übertragen werden ...

So haben sich die Hersteller dieser
leckeren portugiesischen Fischkonserve wohl keine Gedanken gemacht, wie ihr Produkt in Englisch-sprachigen Ländern ankommen würde.
Aber in aller Fairness: wenigstens in ihrer eigenen Sprache machte der Name Sinn.









Oder der leckere Eis-Tee, der sich leider in Deutschland
so nicht verkaufen lässt...
Auch hier gilt zur Verteidigung des Herstellers, das immerhin im Ursprungsland, der Name einen gewissen Sinn hatte ...


Aber wie ist es mit sinnlosen Testimonials und anderen albernen Begleiterscheinungen von Brands?

Wer kennt sie nicht, die lustige Klementine, die uns über Jahre hinweg half, auch die schlimmsten Flecken zu entfernen ... stellen Sie sich vor, Klementine wäre nach England oder in die USA exportiert worden - dorthin, wo die primäre Assoziation mit diesem Namen ein Lied ist ... Hätte man dann direkt den Liedtext geändert? Quasi: "in a cavern, doing laundry ..."?

Oder erklären Sie doch mal einem Amerikaner, warum Generationen hierzulande immer "Hello, Mr. Emperor!" rufen und sich dabei total sicher fühlen ... (an "Meanness is horny!" will ich gar nicht denken ... ;-) )

Noch schlimmer wird es jedoch, wenn der Inhaber der Marke meint, seine Marke sei im Original nicht Auslands-kompatibel und müsse lokal angepasst werden ... manchmal geht das gut - aber meistens nicht.

Aktuellstes Beispiel sind Dette & Lesch, die lustigen(?) Sparsocken des Handy-Hamburgers blau.de. Diese zwei nervigen Gesellen entspringen, so lässt es uns der Markeninhaber wissen, dem deutschen Begriff "Sparstrumpf" ... Sie verstehen? Sparstrumpf... Strumpf ... blau.de ... blaue Socken ... passt!

Nun wurde blau von lustigen Holländern gekauft, hatte auf einmal Geld und... ging (blau) ins Ausland. Und zwar nach Spanien (also Ostdeutschland II). Und wie es der glückliche Zufall will,wird dort in Randbereichen noch Katalanisch gesprochen und in dieser Sprache heisst die Farbe ebenso wie im Deutschen "blau" - soweit so gut... aber wie bringt man der spitzen spanischen Zunge bei "Dette y Lesch" zu sagen? (Anmerkung der Red.: das wäre phonetisch überhaupt kein Problem gewesen!) Und wie erklärt man der katalanischen Bevölkerung, die 9 Monate im Jahr keine Strümpfe braucht und deren marode Wirtschaftslage jegliche Sparvorhaben zunichte macht, was ein Sparstrumpf ist? Die Lösung präsentiert uns der pfiffige Markenstratege gerne: man gibt ihnen lustige, typische deutsche Namen (oder was der Spanier so dafür hält) und erfindet für sie eine Lebensgeschichte ... und da so ein Murks wie "Handpuppen, die keiner braucht und die deshalb in Entwicklungsländer geschickt werden" nicht zieht, macht man sie kurzfristig zu deutschen Journalisten - und zwar zu deutschen Journalisten, die man wegrationalisiert hat, nachdem sie ihrem Arbeitgeber zu viel übers Sparen beigebracht haben...

Liebes Marketing-Team bei blau.de:

An dieser Stelle überreichen wir Ihnen als besondere Auszeichnung den großen Kulturkeil in Teer am Band. Nach all den Bemühungen der Bundesregierung, der Tourismusverbände, des Göthe-Instituts und anderer, die sich für ein positives Bild Deutschlands im Ausland (vorallem im geplagten Spanien) einsetzen, haben Sie es geschafft, diesen Prozess durch besondere Ignoranz um 20 Jahre zurückzuwerfen... zurück zu "Wurstel con Krauti", "Eimersaufen", "Ey Pablo sprich Deutsch, wir bringen Cash ins Land" und Polts "Man spricht Deutsch"...

An dieser Stelle sei noch eine Frage erlaubt... die beiden gefeuerten Journalistensocken heissen in Spanien "Karl" und "Zetting" ... "Karl" ist klar ... aber wer oder was ist "Zetting"???

... so! Ich gehe mich jetzt übergeben und frage mich, ob Clementine es wohl geschafft hätte, mit genügend Waschpulver und einer Waschmaschine bei 90° aus den beiden Wollmonstern lustige weisse Kinderschühchen zu zaubern ...

In diesem Sinne!




14 Juli 2008

Wenn der Drücker zwei Mal klingelt ...

In letzter Zeit habe ich relativ viel von zu Hause aus gearbeitet, oder - wie man neudeutsch sagt - "Homeoffice gemacht".

Der Grundgedanke war, morgens entspannt aufzustehen, mit Latte Macchiato, Mac und der Süddeutschen auf den Balkonzu ziehen und dann gemächlich bis zum Essen (gg. 14 Uhr) durchzuarbeiten ... danach Siesta von 15:00 bis 16:30 Uhr und dann wieder bis abends arbeiten ... oder bis einer anruft, der in den Biergarten oder ins Strandbad will... guter Plan eigentlich ... dafür ist man ja selbständig (zur Definition von Selbständig/ Freiberufler/ Angestellter vergleiche auch Django Asyl).

Aber Pustekuchen! Zu Hause arbeiten ist ungefähr so effizient und entspannt, wie in der Straßenbahn den Beamer aufzustellen und sich drauf zu verlassen, dass keiner hinsieht. Und Schuld ist die Post! Und zwar nicht nur die mit der gelben Trompete und den schicken Fahrrädern ... sondern diese Flut an privaten Briefzustellern, die einen - so man tagsüber zu Hause ist - alle 10 Minuten rausklingeln, weil sie rein wollen ... also, an die Briefkästen.

Früher, da gab es die Post ... und die hatte einen Schlüssel für alle Häuser und kam an alle Briefkästen ran ... heute haben ganz viele Häuser die Briefkästen immer noch innen - aber keiner hat mehr einen Schlüssel.

Das bedeutet beispielsweise für mein Haus:
ca. 9:00 Uhr - Deutsche Post - klingelt nacheinander alle Parteien durch, bis einer aufmacht
ca. 11:00 Uhr - Royal Mail - klingelt, wohl um Zeit zu sparen, bei allen parallel ...
ca. 17:30 Uhr - noch irgendein privater Zusteller - die klingelt 3 Mal bei jedem - damit keiner sie überhört ...

... und dazwischen UPS, DHL, TNT, und wie sie alle heissen ... so viel zum Thema "Ruhe" ...

Ich fragte dann letztens mal eine der besonders entspannten (der Gesichtsausdruck entsprach perfekt dem Reglement der NVA: "Augen geradeaus, Blick ausdrucklos...") Zustellbienen, was denn sei, wenn keiner aufmachte? Die Antwort "Dann komme ich übermorgen wieder ..." Jetzt habe ich so richtig Vertrauen gefasst ...

Aber nicht nur die Briefe-Jungs und -Mädels sind nervig. Neuerdings nehmen auch die Drückertrupps wieder zu ... ob Zeitungs-Abo, billiger Strom oder - wie bei mir letztens - UnityMedia mit dem "Alleswirdgut"-Tripleplay-10.000-Angebot:

Es war Mittwoch, 16 Uhr, als der nette junge Mann im modischen aber offensichtlich billigen beigen Anzug an meiner Tür klingelte, um mir die perfekte Lösung für Internet und Telefon, inklusive 78 digitalen TV-Kanälen und 2.800 Radiokanälen (mindestens), eines Toasters, dreier Schuhputzer und eines Kaltgetränks meiner Wahl anbot ... und - ÜBERRASCHUNG - ich habe tatsächlich unterschrieben (das Kaltgetränk war einfach zu verlockend). Zum Abschied "verriet" mir der nette junge Mann noch zwei Internetseiten für "total legalen" Download aktueller Kinofilme und machte sich wieder auf den Weg.

30 Minuten später ein Anruf der Zentrale ... ob denn alles ok gewesen wäre? Und ob die Daten stimmen? Echt ordentlicher Service ... der Kritiker war ziemlich beeindruckt ...

Aber wie immer im Leben, es war zu schön, um echt zu sein ... schon am nächsten Tag, wieder gegen 16 Uhr, stand ein weiterer schlechtgekleideter junger Mann vor der Tür und versuchte, mir das am Vortag bereits gebuchte Produkt erneut zu verkaufen... P, E, I, N, L, I, C, H - PEINLICH!!!

Fazit? Ich werde zu Hause den Briefkasten verkleben, die Türklingel abklemmen und mir parallel ein Postfach zulegen ... und da sehe ich dann alle 4 Wochen mal rein ... lasst mich doch in Ruhe!

In diesem Sinne,

Euer Kritiker









23 Juni 2008

Ha... Erwischt!

Da gelobte ich doch noch im Februar 2007 Besserung und was war? NIX!
Und warum? DARUM!

Es geht halt nicht immer ... zumindest nicht so, wie man will...

Und es hat sich viel getan in den letzten 15 Monaten: Der Kritiker war zwischenzeitlich mal ins Establishment, sprich: auf Kundenseite, gewechselt und hat eine Zeit lang versucht, Menschen von Marken zu überzeugen, die für Marken keine Verwendung haben. Die glauben, dass es reicht, wenn man regelmässig genügend Verpackungseinheiten verkauft und dass Markenreinheit, Konsequente Einhaltung der CI und Konzentration auf Brand-Values albernes Werbergetue sind...

Aber wenn es keine Verkäufer gäbe, dann wüsste auch keiner das Gute zu schätzen - dann würden sich Menschen, die Marken lieben, leben, kennen und können, nicht von der stumpfen Masse der Klinkenputzer abheben und die Welt wäre regiert von Steuerberatern und Vertretern ...
Wieder zurück im 'richtigen' (Agentur)leben habe ich nun auch wieder Zeit, nach dem zu suchen, was Gehirnsuppe erzeugt ... oder dokumentiert: nach schlechter Werbung.

Unser neuestes Beispiel kommt aus dem Bereich des Ethno.Marketings. Ja, Sie lesen richtig - Deutschland entdeckt die Ausländer als Zielgruppe ... obwohl ... ist vielleicht etwas hochgegriffen ...

Denn das würde ja bedeuten, dass man sich als Werbungtreibender mit den ethnischen Besonderheiten, den emotionalen Grenzen und relevanten Faktoren der diversen Zielgruppen auseinandersetzen müsste... und daran scheitert es ja dann doch mal öfter ...

Wie der Mobilfunker eplus, der unter der Marke Ay Yildiz einen sogenannten "Tarif für Türken in Deutschland, die gerne nach Hause telefonieren" betreibt ... ach hätte man doch nur etwas MaFo betrieben ... oder einen gefragt, der sich damit auskennt ... DENN: in Deutschland leben, verkannt als Türken, sehr viele türkisch-sprachige Kurden. Und die telefonieren auch in die Türkei. Aber ... und hierin liegt die Crux... "Ay Yildiz" ist der türkische Begriff für Stern und Halbmond - Wappenfiguren der Türkei- und damit erklärtes Feindbild für Kurden ... wie schade..




Oder der Puddinghersteller, der damit wirbt, dass sein Puddingpulver frei von Milchbestandteilen
ist - nicht nur für Allergiker sondern auch für Menschen, die Kosher leben, relevant - und dann in der Gebrauchsanleitung schreibt: "Mit 300ml Milch oder Sahne anrühren ..." oder der Hersteller einer bei Moslems sehr beliebten Linsensuppe, dessen Emfehlung "nach Wunsch mit Speck verfeinern" doch eher erstaunt ...

Das sind Beispiele für "gut gemeint und doch am Ende liegengeblieben ..." . Aber was macht man mit denen, die so rein gar nichts kapiert haben? Was macht man mit Werbungtreibenden, deren Plakatwerbung so hoch hängt, dass man sie mit blosem Auge nicht meh
r lesen kann? Und dann auch noch (ich nehme an, zur Steigerung der Schwierigkeit) einen guten Meter nach hinten versetzt, damit die umliegenden Fassaden auch das letzte Adlerauge daran hindern, etwas zu erkennen?


Lassen sich Marketingleiter heutzutage nicht mehr zeigen, wo ihre Motive hängen werden? Passen Agenturen ihre Entwürfe nicht mehr dem Medium an, in oder auf dem sie erscheinen? Oder ist es ihnen egal, dass man weder den Markennamen noch die Homepage-URL ohne Fernglas lesen kann?

Naja, was solls ... Hauptsache, die Mediaagentur schickt zu Weihnachten einen dicken Präsentkorb und die Einladung zur nächsten Incentive-Reise...

... und wenn es richtig weh tut, dann war es einfach die Kreativagentur - denn die kann ja bekanntermassen nie was ...


In diesem Sinne,

Prost und auf schlechte Werbung!



06 Februar 2007

Back on the blog!

Wussten Sie eigentlich, dass der größte Teil aller Blogs über kurz oder lang im Nirvana versinkt?

Die meisten Blogger sind also, könnte man meinen, stin-ke-faul!

Quatsch!!! Mit dem Bloggen ist es wie mit vielen anderen kreativen Dingen:
Man braucht dazu a)Zeit, b) Motivation und c) einen Anlass, der einen inspiriert.

Und das war bei mir irgendwie seit der IFA nicht gegeben ... aber jetzt bin ich wieder da ...

Und gelobe Besserung (vorerst ;-) )...

... also dranbleiben und mitlesen, mitkommentieren und weitersagen.

Dann klappt es auch mit dem Kritiker.

06 September 2006

Live-Blamage auf der IFA

ich weiss, ich weiss - ich hatte zeitnah Beiträge versprochen ... aber ich konnte mich noch nicht von der Unmenge an dummem Geschwätz und leeren Versprechungen erholen...

Daher zitiere und verweise ich an dieser Stelle lediglich auf den wunderbaren Beitrag von Peter Hogenkamp - einem meiner Mitleidenden auf der IFA, der sich gemeinsam mit mir (ich bin der mit der bösen Frage, warum die User nicht informiert wurden ...) die Combots Pressekonferenz antat ...

Sobald die Pillen wirken, gibt es dann auch wieder mehr von mir.

Versprochen!

Und hier das versprochene Zitat:

"
Und wer nicht Heidi oder Aragorn sein will, für den gibt es auch andere Charaktere wie eine Glaskugel oder den Eiffelturm.” Sehr gute Idee. Ich frage meinen Vater, ob er sich eher als Eiffelturm oder als Glaskugel sieht."


31 August 2006

der_kritiker auf der IFA

Nach längerer Abwesenheit (auch Kritiker brauchen mal eine kreative Pause!) melde ich mich zurück ... aus Berlin... von der IFA ... und ab morgen stehen hier dann die Low-Lights und dummen Ideen der Medienwelt ... zumindest die, die mir auffallen.

Bis dahin

...