14 Juli 2008

Wenn der Drücker zwei Mal klingelt ...

In letzter Zeit habe ich relativ viel von zu Hause aus gearbeitet, oder - wie man neudeutsch sagt - "Homeoffice gemacht".

Der Grundgedanke war, morgens entspannt aufzustehen, mit Latte Macchiato, Mac und der Süddeutschen auf den Balkonzu ziehen und dann gemächlich bis zum Essen (gg. 14 Uhr) durchzuarbeiten ... danach Siesta von 15:00 bis 16:30 Uhr und dann wieder bis abends arbeiten ... oder bis einer anruft, der in den Biergarten oder ins Strandbad will... guter Plan eigentlich ... dafür ist man ja selbständig (zur Definition von Selbständig/ Freiberufler/ Angestellter vergleiche auch Django Asyl).

Aber Pustekuchen! Zu Hause arbeiten ist ungefähr so effizient und entspannt, wie in der Straßenbahn den Beamer aufzustellen und sich drauf zu verlassen, dass keiner hinsieht. Und Schuld ist die Post! Und zwar nicht nur die mit der gelben Trompete und den schicken Fahrrädern ... sondern diese Flut an privaten Briefzustellern, die einen - so man tagsüber zu Hause ist - alle 10 Minuten rausklingeln, weil sie rein wollen ... also, an die Briefkästen.

Früher, da gab es die Post ... und die hatte einen Schlüssel für alle Häuser und kam an alle Briefkästen ran ... heute haben ganz viele Häuser die Briefkästen immer noch innen - aber keiner hat mehr einen Schlüssel.

Das bedeutet beispielsweise für mein Haus:
ca. 9:00 Uhr - Deutsche Post - klingelt nacheinander alle Parteien durch, bis einer aufmacht
ca. 11:00 Uhr - Royal Mail - klingelt, wohl um Zeit zu sparen, bei allen parallel ...
ca. 17:30 Uhr - noch irgendein privater Zusteller - die klingelt 3 Mal bei jedem - damit keiner sie überhört ...

... und dazwischen UPS, DHL, TNT, und wie sie alle heissen ... so viel zum Thema "Ruhe" ...

Ich fragte dann letztens mal eine der besonders entspannten (der Gesichtsausdruck entsprach perfekt dem Reglement der NVA: "Augen geradeaus, Blick ausdrucklos...") Zustellbienen, was denn sei, wenn keiner aufmachte? Die Antwort "Dann komme ich übermorgen wieder ..." Jetzt habe ich so richtig Vertrauen gefasst ...

Aber nicht nur die Briefe-Jungs und -Mädels sind nervig. Neuerdings nehmen auch die Drückertrupps wieder zu ... ob Zeitungs-Abo, billiger Strom oder - wie bei mir letztens - UnityMedia mit dem "Alleswirdgut"-Tripleplay-10.000-Angebot:

Es war Mittwoch, 16 Uhr, als der nette junge Mann im modischen aber offensichtlich billigen beigen Anzug an meiner Tür klingelte, um mir die perfekte Lösung für Internet und Telefon, inklusive 78 digitalen TV-Kanälen und 2.800 Radiokanälen (mindestens), eines Toasters, dreier Schuhputzer und eines Kaltgetränks meiner Wahl anbot ... und - ÜBERRASCHUNG - ich habe tatsächlich unterschrieben (das Kaltgetränk war einfach zu verlockend). Zum Abschied "verriet" mir der nette junge Mann noch zwei Internetseiten für "total legalen" Download aktueller Kinofilme und machte sich wieder auf den Weg.

30 Minuten später ein Anruf der Zentrale ... ob denn alles ok gewesen wäre? Und ob die Daten stimmen? Echt ordentlicher Service ... der Kritiker war ziemlich beeindruckt ...

Aber wie immer im Leben, es war zu schön, um echt zu sein ... schon am nächsten Tag, wieder gegen 16 Uhr, stand ein weiterer schlechtgekleideter junger Mann vor der Tür und versuchte, mir das am Vortag bereits gebuchte Produkt erneut zu verkaufen... P, E, I, N, L, I, C, H - PEINLICH!!!

Fazit? Ich werde zu Hause den Briefkasten verkleben, die Türklingel abklemmen und mir parallel ein Postfach zulegen ... und da sehe ich dann alle 4 Wochen mal rein ... lasst mich doch in Ruhe!

In diesem Sinne,

Euer Kritiker